„Mann der Wissenschaft“ – Nachruf für Folkert Meyer (1942 – 2020)

Folkert Meyer, der 1942 in Bremen geboren wurde, war am Einstein-Gymnasium eine Instanz – auch wenn er von diesem Etikett wenig gehalten hätte. Dafür waren ihm, der zunächst eine Laufbahn an der Hochschule einschlug und 1975 in Freiburg promovierte, oberflächliche Betrachtungsweisen zuwider. Dr. Meyer war bei seinen Fächer Deutsch und insbesondere Geschichte ein Tiefseetaucher, der den Dingen auf den Grund gehen wollte. Er scheute auch im Ruhestand nicht davor zurück, große Themen anzupacken und Zusammenhänge und Entwicklungslinien herauszuarbeiten, wie z.B. seine Vorträge im Historischen Verein unterstrichen. Nicht weniger als die Frage, was den Gang der Geschichte bestimme, widmete sich einer seiner abendfüllenden Parforceritte durch das historische Geschehen.

Dass man als Schüler Herrn Dr. Meyer gerne zuhörte, hatte mehr als einen Grund: Selbst wann man seinen Ausführungen nicht in jeder Phase gewachsen war, stand doch unzweideutig fest, dass er wirklich wusste, wovon er sprach. Die Kategorie „Größtes Allgemeinwissen“ im Lehrerranking gegenwärtiger Abi-Zeitungen hätte er sicher spielerisch dominiert. Zugute kam Folkert Meyer im Unterricht ebenso, dass er die Anforderungen an seine Schüler hochhielt, jedoch stets nach einer fairen Beurteilung suchte und die Schüler als Persönlichkeiten respektierte. Sich selbst stellte er nicht als unfehlbare Instanz dar, sondern betonte, wie subjektiv viele Schlüsse seien, wie vielen Dingen man doch genauer nachgehen müsste. Ausgesprochen sympathisch war auch sein trockener, lakonischer Humor und die Selbstironie, mit der er sein eigenes Schaffen kommentierte. Von 1978 als Studienassessor bis zum Ruhestand im Jahr 2006 als Studiendirektor war das Einstein-Gymnasium in dieser Weise seine Wirkungsstätte. Unzählige Jahrgänge und Kurse hat er mit seiner prägenden Persönlichkeit erfolgreich zum Abitur begleitet. Und auch den Geschichtsunterricht mancher Schüler ohne ihr Wissen beeinflusst, insbesondere seit 1988 auch als Fachberater für Geschichte. Noch im Ruhestand widmete er sich Fragen der Geschichtsdidaktik und war für Lehrbuchverlage tätig. 

Selbstredend waren zahlreiche ehemalige Lehrer Folkert Meyer, und seiner Frau Renate Meyer-Himstedt, nicht nur als Fachkollegen, sondern auch über die Schule hinaus verbunden, etwa sportlich beim Kegeln oder als Tennispartner, erlebten das Ehepaar auch im privaten Umfeld als großzügige Gastgeber. Michael Bergmann, der damals Geschichte am „Einstein“ unterrichtete, erinnert sich an Folkert Meyer als Kollegen, der in der Lehrerschaft allseits geachtet und geschätzt wurde: „Für mich war er die historische Kompetenz an unserer Schule. Profunde Geschichtskenntnisse zeichneten ihn aus. In Fachgesprächen und

-konferenzen hat er historische Zusammenhänge präzise und ausführlich dargestellt. Er war nicht nur ein ‚Mann der Wissenschaft‘, sondern auch für mich privat ein guter Zuhörer und Ratgeber.“ Deutschkollegin Doris Lutz saß noch im alten Lehrerzimmer Dr. Meyer gegenüber: „So abwechslungsreich konnte man sich mit ihm unterhalten. Er war interessiert, informiert, sehr belesen, rhetorisch glänzend und er hatte einen trockenen Humor, der uns etliche lustige Momente beschert hat.“ Gabi Kummer, ebenfalls langjährige Kollegin von Folkert Meyer am „Einstein“,  betont darüber hinaus dessen Hilfsbereitschaft und die kollegiale Zusammenarbeit: „Er schätzte die Verlässlichkeit unter den Kollegen und war ein überragender Personalratsvorsitzender: Seine Reden waren das Maß aller Dinge, hervorragende Analysen des Schulgeschehens sein Markenzeichen.“

In den letzten Jahren hatte man Folkert Meyer seltener gesehen, sein Gesundheitszustand ließ viele Aktivitäten kaum zu. Und doch traf die Nachricht von seinem Tod die Schulgemeinschaft überraschend und macht betroffen. 125 Jahre wird das „Einstein“ in diesem Jahr. Folkert Meyer hat mehr als ein Vierteljahrhundert davon mitgewirkt und war – wie sollte es anders sein – stets interessiert am „Einstein“ und seiner Geschichte.

[HBR]

Folkert Meyer