Einstein-Schüler senden politische Botschaft per Theaterstück

In der Aula der Tulla-Realschule bot am Donnerstag die Theater-AG des Einsteingymnasiums eine Vorführung mit Tiefgang und eindringlicher Mahnung.

Kehl. Am Donnerstag und am Freitag, 6. und 7. Juni, führte die Theater-AG des Einstein-Gymnasiums das Drama „Frühlings-Erwachen“ von Frank Wedekind (1864 bis 1918) in der Aula des Schulzentrums auf. Die neun sehr talentierten Protagonisten, die schon seit einiger Zeit mit Leidenschaft in der AG schauspielern, mussten allerdings das langatmige Werk massiv kürzen und schrieben somit eine eigene Fassung. Inhaltlich geht es dabei um die Tragik des Teenager-Daseins in einer konservativen und bigotten Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, in welcher der natürlichen Neugierde und dem sensiblen Prozess des Erwachsenwerdens sich engstirnige und innerlich erkaltete Erwachsenen in den Weg stellten.

Giftige Früchte

Wedekind entlarvt gnadenlos eine raue Schul- und Familienwelt – deren Mängel sich allerdings bis in die Gegenwart hinein fortgepflanzt und ihre giftigen Früchte zum Teil noch tragen würden, so die Meinung in der AG-Gruppe, welche mit dem Schauspiel auch „eine politisch sensibilisierende Botschaft“ senden wollte.

Die Jugendlichen sind darin der Gewalt und liebloser Autorität von verklemmten Eltern und Empathie losen Lehrern ausgeliefert und werden in die Selbstzerstörung getrieben. Ein Junge nimmt sich im Theaterstück das Leben, bloß weil er in die nächste Klasse nicht versetzt wurde und Angst vor seinen Eltern hatte. Ein Mädchen stirbt an den Abtreibungsmitteln, die ihr eine Tante verabreichte. Ein anderer Teenager begeht verantwortungslose Taten, da er keinen moralischen Kompass in der Familie vermittelt bekam und seine Fragen und die natürlichen Triebe eines Jugendlichen unterdrückt wurden. Und derselbe wird vom Lehrerkollegium mit Härte wegen eines Schriftstückes über das Sexualleben gleich einem Verbrecher verurteilt.

Die Welt hat sich seither im Abendland stark verändert. Jedoch: Heutzutage sei der zunehmende Leistungsdruck an den deutschen Gymnasien und in manchen Familien derart belastend, dass sehr viele Jugendlichen darunter schwer leiden würden – und manche davon aus Verzweiflung sich selbst verstümmeln oder gar das Leben nehmen, erzählte eine Schülerin aus der AG. „Wir wollten auch die Lehrer darauf aufmerksam machen, sie spüren lassen, wie sich manche von uns fühlen“.

Gar erschütternd

Und das gelang den talentierten Anna Klara Sanli, Claire Eschemann, Anne Zoschke, Gwen Parafinski, Milena Hotopp, Lara Kulic´, Eiringa Bertulyte, Max Ziegler und Charlotte Österreich durchaus: aufwühlend, nachdenklich machend, gar erschütternd – wunderbar und selbstbewusst haben sie gespielt. Die Aufführung wurde zudem mit einer sehr gut konzipierten Licht-und Tonuntermalung von Thomas Bringolf, Victor Bringolf, Noah Diekmann, Silas Bottin bereichert, und geradezu wie die Profis bühnentechnisch durchführt – ja, das darf man ruhig sagen.

Die Aufführung hätten die Schüler dieses Mal völlig allein vorbereitet, ohne die Begleitung eines Lehrers, lobte Arne Bleckmann, der stellvertretende Schulleiter. Noch mehr erzählte er der Kehler Zeitung in der Pause: die Gruppe hätte sich in einer rein demokratischen Struktur organisiert und alle Entscheidungen zusammen getroffen, ohne jegliche Hierarchien mehr.

Alles selbstständig

Die Abiturienten hätten allein das Stück geschrieben (verkürzt), die Regie geführt, die Szenographie und Kostüme entworfen, Ton- und Lichttechnik – alles selbstständig. Nur auf den letzten hundert Metern hätten dann auch die Lehrer geholfen, damit die Gruppe nach der Schule noch proben konnten, zum Beispiel. Das Publikum honorierte die hohen Leistung der Truppe mit Ovationen und minutenlangem Applaus im Stehen. Und selbstverständlich sind alle gespannt, was nächstes Jahr kommt.

[Quelle: https://www.bo.de/lokales/kehl/einstein-schuler-senden-politische-botschaft-theaterstuck©Simona Ciubotaru]