Kehler Hallenbad wird zum Vivarium - Nachnutzungskonzept einstimmig beschlossen

Lange Zeit befand sich die Ruine des Hallenbads in einem Dornröschenschlaf. Nachdem der Schwimmbetrieb im Jahr 2017 endgültig geschlossen wurde, dämmerte der Bau in einem zunehmend verwahrlosten Zustand vor sich hin und war für menschliche Besucher allenfalls noch durch Vandalismus, Graffiti-Kunst und verbotenen Konsum attraktiv. Doch nun liegt eine Lösung für die Nachnutzung des Hallenbads vor, die auf große Zustimmung bei der Schulgemeinschaft stößt: Aus dem maroden Bau soll das neue Vivarium des „Einsteins“ werden. „Wir sind froh, dass wir endlich eine sinnvolle Perspektive für die Ruine vor unserer Haustür haben“, zeigt sich Schulleiter Dominikus Spinner hocherfreut. Was auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt, ergibt bei genauem Hinsehen Sinn:

Bereits kurz nach der Schließung siedelten sich Zwergfledermäuse im Hallenbad an. Ihre Population soll auf mehrere hundert Exemplare angewachsen sein. „Eine Attraktion, die wir unbedingt für unsere Schüler*innen erschließen sollten“, so Dominikus Spinner. Zugleich sucht die am Gymnasium schon bestehende Vivarium-AG seit langer Zeit passende Räumlichkeiten. Leiterin Amélie Metzger musste sich bisher mit zwei Schaukästen zufrieden geben, die als Terrarien eigentlich ausgedient haben: „Die Aussicht, in Zukunft auf 400 Quadratmetern und auf mehreren Ebenen Amphibien und Reptilien halten zu können, ist die Erfüllung eines Lebenstraums“, gesteht Metzger. Ohnehin müsse die Schule hier in die Zukunft denken: „Springmäuse und Stabschrecken sind schön und gut, aber die Generation TikTok ist damit nicht dauerhaft zu begeistern.“ Deshalb laufen bereits Pläne für das neue Vivarium. Das alte Becken stellt dabei von Natur aus einen idealen Bereich für Neubewohner wie Nil- und Sumpfkrokodil als auch Breitschnauz- und Glattstirn-Kaimane dar. Platz genug wäre aber auch für Exoten wie den Mississippi-Alligator, die Indische Klappenweichschildkröte und Riesengürtelschweife.

„Anything is possible“, gibt der stellvertretende Schulleiter Arne Bleckmann deshalb als Motto bei dem Großprojekt aus und denkt bereits an Aquarien in den ehemaligen Umkleideräumen des Hallenbads. Initiiert von der Biologie-Fachschaft haben sich zudem zahlreiche Lehrkräfte bereiterklärt, zum neuen Vivarium beizutragen und von Urlaubsreisen unbürokratisch exotische Tierarten mitzubringen: „Es ist ein tolles Gemeinschaftsgefühl bei dem Projekt entstanden, das uns zusammenschweißt“, so Bleckmann. Doch nicht alle neuen Exemplare müssen – wie die Clownfische, die „Einstein“-Lehrer Jochen Dörr beim Schnorcheln im Roten Meer eingefangen hat – von außen ins Vivarium gelangen. Besonders wirbellose Tiere wie Tausendfüßler, Vogelspinnen und Skorpione sollen sich bereits in den korrodierten Betonteilen des Bauwerks befinden. Sogar eine Boa Constrictor soll in der alten Lüftungsanlage gesichtet worden sein. „Wir vermissen seit längerer Zeit einen portugiesischen Austauschschüler, was damit in Verbindung stehen könnte“, gibt „Einstein“-Biologe Ralf Bock hoffnungsvoll preis.

Kritik an den Plänen gibt es bisher nur verhalten, etwa die Sicherheit am Gymnasium betreffend: Wäre es wirklich sinnvoll, in unmittelbarer Nähe der Schüler*innen teilweise hochgiftige Tierarten zu halten? Immerhin musste das Vivarium im Keller der Kehler Wilhelmschule Ende der 1970er Jahre auch deshalb schließen, weil eine (harmlose) Vipernatter ins Jungen-WC gelangt war. Also zu viel Risiko? „Quatsch!“, meint der für den Neubau vorgesehene Sicherheitsbeauftragte Friedrich Graffmann, ebenfalls Lehrer am „Einstein“. „So was passiert nur Dilettanten!“ Das neue Vivarium werde alle Sicherheitsstandards einhalten und einen positiven Einfluss bei der Erziehung haben, ist Graffmann überzeugt und zeigt auf seine Fütterungszeiten für ein künftiges Haifisch-Becken. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik: Denn die Kosten von 22 Millionen zur Sanierung und Umgestaltung für das Hightech-Vivarium müssen noch gestemmt werden. „Es wird nicht ohne Einsparungen an anderer Stelle gehen“, weiß auch Schulleiter Dominikus Spinner und denkt an Bereiche wie die Digitalisierung oder Umbaumaßnahmen für Inklusion oder G9. „Aber seien wir ehrlich: Wenn wir Nachhaltigkeit und Neugier im Sinne unseres Namensgebers großschreiben, muss das Vivarium kommen: Einstein hätte dieses Projekt gewollt!“ Spätestens am 1. April 2030 soll die Eröffnung stattfinden.

Erste Vorbereitungen und Entwürfe für das neue Vivarium sind bereits im Gang.
Erste Vorbereitungen und Entwürfe für das neue Vivarium sind bereits im Gang.
Aus der Not eine Tugend gemacht: Das Hallenbad dient in Zukunft als Hightech-Vivarium.
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Die alten Schaukästen im Erdgeschoss der Schule werden bald Geschichte sein.
Die alten Schaukästen im Erdgeschoss der Schule werden bald Geschichte sein.